Fachkräfte gewinnen und behalten

36 ARTISET 04/05 I 2023 Er ist Präsident des Trägervereins Emedo. Zudem präsidiert er den Branchenverband Curaviva im Kanton Aarau und ist Geschäftsführer des Vereins Altersbetreuung im Oberen Fricktal. Obwohl er bereits vor zehn Jahren in einer Arbeitsgruppe des Kantons zum Aufbau des EPD mitgewirkt hat, gehört sein Betrieb, anders als etwa der Lindenhof in Oftringen, nicht zu den Vorkämpfern in Sachen EPD. Im Verein Altersbetreuung im Oberen Fricktal hat niemand der Bewohnenden ein Dossier, und Rotzetter verzichtet auch darauf, aktiv Werbung dafür zu machen. «Wir sind an das EPD angebunden, zahlen unseren Mitgliederbeitrag, nutzen das Dossier derzeit aber nicht», hält der Aargauer Curaviva-Präsident fest. Den Aufwand für die Leistungserbringer erachtet er im Vergleich zum Nutzen derzeit schlicht für zu hoch. Er ist aber davon überzeugt, dass sich dies innerhalb weniger Jahre ändern werde. Zum einen spricht er damit auf Bemühungen vonseiten der Stammgemeinschaft Emedo an, eine kostengünstige Lösung für die Vollintegration zu finden, bei der die institutionsinternen Dokumentationssysteme direkt mit dem EPD kommunizieren. Rotzetter: «Mit der Integrationslösung wird sich die Nutzung aufseiten der Leistungserbringer stark vereinfachen.» Zum anderen setzt Rotzetter die Hoffnung darauf, dass bei immer mehr Dokumenten vonseiten des Bundes «strukturierte Daten» eingeführt werden, so zum Beispiel beim Impfausweis oder auch bei der Medikation. Damit werden die entsprechenden Daten laufend aktualisiert – und ersetzen die derzeitigen PDF-Dateien. Sowohl der Ersatz der Webportal-Lösung durch die Integration als auch die Einführung strukturierter Daten dürften dann automatisch dazu führen, so Rotzetter, dass immer mehr Patientinnen und Patienten ein EPD eröffnen und sich auch immer mehr Leistungserbringer dem EPD anschliessen, gerade auch Ärztinnen und Ärzte sowie Apotheken. Bundesamt plant eine Kampagne Um die Nutzung des EPD voranzutreiben, setzen auch die beiden Geschäftsführer von Emedo und Cara, Nicolai Lütschg und Daniel Rohrer, auf eine kostengünstige Integrationslösung sowie die Einführung strukturierter Daten. Darüber hinaus verweisen sie aber auch auf die Notwendigkeit, Werbung für das EPD zu machen – sowohl bei den Leistungserbringern also auch bei Patientinnen und Patienten. Die Stammgemeinschaft Cara unternehme, so Rohrer, verstärkt Bemühungen, um die Leistungserbringer dazu zu bewegen, das EPD aktiv zu nutzen. Cara biete Schulungen an und leiste Supportdienst. «Die Leistungserbringer müssten zudem per Gesetz nicht nur verpflichtet werden, sich an das EPD anzubinden, sondern dieses auch zu nutzen», so Rohrer. Cara versuche auch, die Leistungserbringer zu ermutigen, Patientinnen und Patienten von den Vorteilen eines EPD zu überzeugen. Im Mitgliederbeitrag der Stammgemeinschaft Emedo ist die Dienstleistung einer mobilen EPD-Eröffnungsstelle inbegriffen: «Leistungserbringer können uns buchen, und wir eröffnen dann vor Ort für Bewohnende oder Patientinnen und Patienten ein EPD und beraten interessierte Personen», erläutert Geschäftsführer Nicolai Lütschg. Emedo arbeite zwecks Marketing zudem mit einer Reihe von Patientenorganisationen zusammen. «Ein Grund für die verhaltene Nachfrage nach einem EPD aufseiten der Bevölkerung ist darauf zurückzuführen, dass das Angebot noch schlicht zu wenig bekannt ist», führt Isabelle Gassmann von eHealth Suisse aus. Das Bundesamt für Gesundheit plane deshalb noch in diesem Jahr eine nationale Kampagne. «Je mehr Menschen ein EPD haben und ihre Behandelnden auffordern, die wichtigsten Unterlagen im Dossier abzulegen, desto grösser wird der Nutzen des EPD.» Noch in diesem Jahr werde der Impfausweis in strukturierter Form verfügbar sein, hält Gassmann fest. Im nächsten Jahr folge der Medikationsplan. Zudem werden die gesetzlichen Grundlagen für das Austauschformat eRezept in Kraft treten. Darüber hinaus werde an weiteren strukturierten Daten wie eAllergie- und eNotfallpass gearbeitet. Gassmann: «Mit dieser schrittweisen Weiterentwicklung wird das EPD weiter an Nutzen gewinnen.» «Leistungserbringer können uns buchen, und wir eröffnen dann vor Ort für Bewohnende oder Patientinnen und Patienten ein EPD.» Nicolai Lütschg, Geschäftsführer des EPD-Anbieters Emedo

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