Identität leben und gestalten | Magazin ARTISET | 3 2024

26 ARTISET 03 I 2024 Mit 38 Euro kann ärzte ohne grenzen zwei akut mangelernährte Kinder mit therapeutischer Spezialnahrung versorgen, bis sie wieder bei Kräften sind. Jetzt spenden Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00 BIC: BFSWDE33XXX www.aerzte-ohne-grenzen.de/spenden MIT IHRER SPENDE GEBEN WIR EDRISS NEUE KRAFT FÜRS LEBEN NIGER: Edriss Haruna (2) ist akut mangelernährt. Unsere Ärztin Dr. Faïza Ouedraogo behandelt ihn, daneben seine Mutter Harira Mohamed. © Oliver Barth Anzeige Zudem muss berücksichtigt werden, wo die Personen in ihrer (Identitäts-)Entwicklung stehen. Erst ab einem Entwicklungsalter von etwa zwei Jahren oder dem Moment, wo sich Menschen selbst als «ich» bezeichnen, kann von Identität gesprochen werden. Welches sind die Haupterkenntnisse Ihrer bisherigen Forschung? Erstens die Tatsache, dass die Ausbildung der Identität bereits sehr früh in der Entwicklung möglich ist und nicht erst in der Adoleszenz. Zweitens das Wissen, dass eine stabile Identität und Prozesse der Identitätssicherung nur zum Teil Lautsprache brauchen. Nonverbale Kommunikation, Emotionen sowie Anerkennung durch andere sind mindestens ebenso zentral. Wie können Menschen mit Beeinträchtigungen in ihrer Identitätsentwicklung konkret unterstützt werden? Was funktioniert in der Praxis? Die Mittel und Massnahmen der sogenannten Unterstützten Kommunikation (UK) ermöglichen eine gegenseitige Verständigung und fördern die nonverbale und die verbale Kommunikation. Damit Gefühle bei sich selbst und anderen erkannt werden können, helfen möglichst frühe Symbolisierungen von Emotionen. Sinnvoll sind auch das Vorlesen und Erzählen von Geschichten sowie die Möglichkeit für Menschen mit Beeinträchtigungen, selber zu erzählen. Dabei helfen etwa die sogenannten «Ich-Bücher», in denen die jeweilige Person vorgestellt wird, mit vielen Fotos und Symbolen. Das bereits geschilderte Ermöglichen von unterschiedlichen Rollen ist ebenfalls zentral. Schliesslich gilt es, das Umfeld mit einzubeziehen – manchmal braucht es eher die Unterstützung des Umfelds als der Person mit einer Kommunikationsbeeinträchtigung. * Karen Ling ist Dozentin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) und forscht unter anderem zu Kommunikations- und Identitätsentwicklung bei komplexen Behinderungen. Zudem ist sie Vorstandsmitglied von buk – Bildung für Unterstützte Kommunikation.

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