Soziale Unernehmen im Wandel | Magazin ARTISET | 9-2023

ARTISET 09 I 2023 39 Vaka lauten, der eine einflussreiche Plattform der Gesundheitsversorger im Kanton Aargau bildet. Die Vorteile der Fusion: ein koordiniertes Pflegeangebot, ein verbessertes Zusammenwirken, eine vereinfachte Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und stationären Strukturen und die Aussicht auf neue, effizientere Versorgungsmodelle, welche die ganze Behandlungskette umfassen. Alle sind davon überzeugt: «Gewonnene Synergien können für zusätzliche Dienstleistungen, beispielsweise in der politischen Einflussnahme, der Vernetzung oder der Fachberatung eingesetzt werden», schreiben die neuen Partner in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Es ist Zeit, zu handeln und neue Modelle zu entwickeln Solche Initiativen zugunsten einer integrierten Versorgung freuen Markus Leser, Senior Consultant bei Curaviva. «Dies ist noch keine ausgeprägte allgemeine Tendenz, es sind jedoch erste vielversprechende Anzeichen», sagt Leser, der sich seit 40 Jahren für eine integrierte Versorgung einsetzt. Bereits in den 1980er-Jahren, als er Koordinator bei der Altershilfe des Kantons Bern war, lag seine Aufgabe darin, die verschiedenen Akteure der ambulanten und stationären Versorgung zu einer engeren Zusammenarbeit zu bewegen. «Es ist Zeit, zu handeln und neue Modelle zu entwickeln, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen entsprechen. Und weil eine Organisation alleine all diese Bedürfnisse nicht abdecken kann, muss sie mit anderen zusammenarbeiten.» Es gebe allerdings auch Regionen, in denen sich nichts tue, die Organisationen in Konkurrenz zueinander stünden und keinen Grund für eine Kooperation sähen, bedauert Markus Leser. Die Vorteile einer Fusion, Kooperation oder Zusammenarbeit lägen jedoch auf der Hand, vor allem im Bereich Human Resources: kein unlauteres Abwerben von Mitarbeitenden, Attraktivität der Arbeitgeber, bessere Stellenbesetzung, gesteigerte Effizienz, keine Doppelspurigkeiten usw. «Ausschlaggebend ist vor allem, ob die Entscheidungsorgane bereit sind, ihre Verantwortung zu übernehmen, ihre Kräfte zu bündeln und eine gemeinsame strategische Vision zu verfolgen.» Markus Leser weist auch auf politische Widersprüche hin, die ein Hemmnis darstellen können: «Auf der einen Seite fördert die Politik eine integrierte Versorgung, auf der anderen trennt sie die Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen.» Doch es gibt Hoffnung, vor allem im Hinblick auf die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen der Krankenversicherung (EFAS), die auch die pflegerischen Leistungen in den Pflegeheimen und durch Spitex umfassen sollte. In der Zwischenzeit beobachtet Markus Leser, dass es tendenziell immer mehr Zusammenschlüsse gibt, sei es zwischen kantonalen Verbänden wie in Freiburg und im Aargau oder auf lokaler Ebene wie in Bern. Dort haben sich am 31. Mai 2023 die auf Langzeitbetreuung von Menschen im Alter spezialisierte Domicil Bern AG und die Spitex Bern AG, die über einen Leistungsvertrag mit Versorgungspflicht für die Stadt Bern und die Gemeinde Kehrsatz verfügt, zu einer neuen gemeinnützigen Unternehmensgruppe zusammengeschlossen: Concara Holding AG. Die beiden Partner wollen die integrierte Versorgung stärken und vertreten eine gemeinsame Vision: Sobald Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, sollen sie diese aus einer Hand erhalten. Egal, ob sie viel oder wenig Hilfe benötigen und ob sie die Dienstleistungen zu Hause oder in einer betreuten Wohn- oder Pflegeeinrichtung in Anspruch nehmen. Das gegenseitige Verständnis fördern Während Concara aktuell über ihre Website Personal rekrutiert, um Anfang 2024 ihre Tätigkeit aufzunehmen, werden in Freiburg erst einmal die Weichen gestellt. Das Jahr 2022 stand hauptsächlich im Zeichen der internen Organisation der AFISA-VFAS mit Fachkommissionen und Berufsplattformen im Mittelpunkt. Die beiden Organe setzen sich aus Vertreterinnen und Vertretern sowie Fachpersonen aus der Praxis zusammen, welche die Bedürfnisse und Informationen der verschiedenen Regionen und Organisationen nach oben an die Geschäftsleitung und den Vorstand weitergeben. Zudem dienen sie dem Austausch von Best Practices und der Förderung des gegenseitigen Verständnisses. Breit abgestützter Entwicklungsprozess Anfang 2023 nahmen die Organe der AFISA-VFAS das Gemeinschaftsvorhaben «Bâtissons ensemble» (gemeinsam gestalten) in Angriff. Ziel dabei war es, die globale Strategie der Vereinigung für die Jahre 2024 bis 2026 zu erarbeiten. In einem ersten Schritt definierten eine Arbeitsgruppe und ein Lenkungsausschuss die Vision sowie drei strategische Schwerpunkte – Innovation, Entwicklung, Kommunikation – und die damit verbundenen Zielsetzungen. Anschliessend erhielten die der AFISA-­ VFAS angeschlossenen Institutionen eine Einladung zu partizipativen Workshops, um Handlungsansätze und Massnahmen für die Erreichung der formulierten Ziele zu ermitteln. Rund 100 Personen aus allen Berufen und Hierarchiestufen meldeten sich und nahmen an diesen «World Cafés» teil. Der Arbeitsgruppe und dem Lenkungsausschuss ging es darum, einerseits die ursprünglichen Absichten mit den Erwartungen der Praxis abzugleichen und andererseits die neue Vereinigung vorzustellen sowie die Verbindungen zwischen den Berufen und Bereichen zu stärken. «Es ist eine grosse Baustelle», sagt Claude Bertelletto Küng. «Aber Ende Jahr wird sie abgeschlossen sein. Ich bin kein Fan von lang andauernden Projekten. Die Leute werden müde, und die Dinge entwickeln sich schnell, also muss es vorwärtsgehen.» Zurzeit befinden sich die Ergebnisse der partizipativen Workshops in der Konsolidierung, und die globale Strategie wird den Mitgliedern an der Versammlung im Dezember zur Genehmigung unterbreitet. Bis dahin nimmt das Tagesgeschäft seinen Lauf.

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