Soziale Unernehmen im Wandel | Magazin ARTISET | 9-2023

ARTISET Das Magazin der Dienstleister für Menschen mit Unterstützungsbedarf Ausgabe 9 I 2023 Mit einem Tablet die Sprachentwicklung und das Selbstbewusstsein fördern Inklusive Mode: Kleidung und Accessoires mit und für Menschen mit Behinderung Ein Programm leistet Unterstützung bei der Verbesserung der Pflegequalität Im Fokus Soziale Unternehmen im Wandel

www.Lohmann-Rauscher.com L&R – international tätig, in der Region verwurzelt. Der Mensch im Fokus. Ihr Wohl steht im Zentrum unseres Handelns. Wir sind der Problemlöser. Mit Expertise und Sorgfalt stehen wir Ihnen zur Seite. Lohmann & Rauscher (L&R) ist ein international führendes Unternehmen für Medizin- und Hygieneprodukte höchster Qualität. In der Schweiz finden Sie uns am Standort St. Gallen. Als Lösungsanbieter für komplexe Anforderungen in der Pflege und Versorgung von Patient:innen entwickeln, produzieren und vertreiben wir unter anderem Produkte, Konzepte und Services für die Wundversorgung, Binden und Verbände, OP-Set-Systeme für Klinik und Praxis sowie Produkte für die Unterdrucktherapie (CNP). Unser Kompetenzfeld. Gesundheit definiert unsere Vision und Werte. Zu unserem Webshop: Lohmann & Rauscher AG · Oberstrasse 222 · 9014 St.Gallen · Schweiz Lohmann & Rauscher (L&R) ist ein international führendes Unternehmen für Medizin- und Hygieneprodukte höchster Qualität. In der Schweiz finden Sie uns am Standort St. Gallen. Als Lösungsanbieter für komplexe Anforderungen in der Pflege und Versorgung von Patient:innen entwickeln, produzieren und vertreiben wir unter anderem Produkte, Konzepte und Services für die Wundversorgung, Binden und Verbände, OP-Set-Systeme für Klinik und Praxis sowie Produkte für die Unterdrucktherapie (CNP). Jetzt bequem, schnell und unabhängig Produkte im L&R Webshop bestellen! Sie erreichen unser Bestellportal 24 Stunden, 7 Tage in der Woche. Wir sind der Problemlöser. Mit Expertise und Sorgfalt stehen wir unseren Kund:innen, Mitarbeiter:innen, Anwender:innen und Patient:innen zur Seite. Der Mensch im Fokus. Das Wohl unserer Mitarbeiter:innen, Kund:innen, Anwender:innen und Patient:innen steht im Zentrum unseres Handelns. Unser Kompetenzfeld. Gesundheit definiert unsere Vision und Werte. L&R – international tätig, in der Region verwurzelt. Hier finden Sie den L&R Webshop: www.Lohmann-Rauscher.com 0123_LuR_AZ_Imageanzeige_LRCH_deutsch_210x297mm.indd 1 08.02.23 14:24

ARTISET 09 I 2023 3 Editorial «Infolge von gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Postulaten wachsen die Arbeitswelten von Menschen mit und ohne Behinderung immer mehr zusammen.» Elisabeth Seifert, Chefredaktorin Liebe Leserin, lieber Leser Wenn Sie an Betriebe denken, in denen auch Menschen mit Beeinträchtigungen unterschiedlicher Art arbeiten, haben Sie – vor allem wenn Sie sich nicht zu den Fachpersonen zählen – womöglich noch eine Terminologie in Kopf, die nicht mehr ganz zeitgemäss ist. Geläufig sind Begriffe wie «geschützter» oder «zweiter» Arbeitsmarkt. Und auf die einzelnen Betriebe bezogen, reden wir oft immer noch von «geschützten Werkstätten». Mit einer solchen Begrifflichkeit separieren wird die Arbeitswelten von Menschen mit und ohne Behinderung. Dies entspricht einer Realität, die seit einigen Jahren einen Wandel erfährt. Die IV zum Beispiel verfolgt den Grundsatz «Eingliederung vor Rente», auch die Sozialhilfe setzt auf die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt. Und die UN-BRK fordert Teilhabe und Integration von Menschen mit Beeinträchtigung in einem sehr radikalen Sinn – bis hin zur Aufhebung sozialer Institutionen. Infolge dieser gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Postulate wachsen die Arbeitswelten zusammen. Dies spiegelt sich in einer neuen Begrifflichkeit: Man spricht vom «allgemeinen» oder «regulären» und dem diesen «ergänzenden» Arbeitsmarkt. Und dessen Betriebe verstehen sich als Integrationsbetriebe, soziale Unternehmen oder soziale Unternehmen der beruflichen Teilhabe und Integration. Damit aber verändern sich die Herausforderungen an die Unternehmen sowohl des ergänzenden als auch des allgemeinen Arbeitsmarkts: Die sozialen Unternehmen sind gefordert, sich dem Markt zu öffnen und Menschen mit Beeinträchtigung dabei zu unterstützen, sich den gestellten Anforderungen anzupassen. Und Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarkts stehen vor der Aufgabe, Menschen mit ungewohnten Fähigkeiten und Kompetenzen teilhaben zu lassen. Wie beide Seiten diese Herausforderungen meistern, zeigt auf eindrückliche und exemplarische Weise das Projekt «PostNetz Inklusion», das die Schweizerische Post in Kooperation mit dem Branchenverband Insos erarbeitet hat (Seite 6). Besonders beeindruckt mich, wie die ersten Erfahrungen gerade auch für die Post einen sozialen Gewinn erkennen lassen. Deutlich wird zudem, welche Bedeutung die sozialen Unternehmen respektive ihr Fachpersonal in der Begleitung von Menschen mit Behinderung weiterhin haben – und haben müssen. Im Interview mit dem Magazin erörtert Beni Brennwald, Gründer der Grundlagenwerk AG in Wangen bei Olten, denn auch die Perspektiven von Sozialunternehmen (Seite 10). Er appelliert dabei an deren Bereitschaft, gegenüber Firmen im allgemeinen Arbeitsmarkt – und auch gegenüber Behörden und Sozialversicherungen – die nötige «Übersetzungsarbeit» zu leisten. Gerade wenn Sie selbst ein Sozialunternehmen führen oder als Fachperson Menschen mit Behinderung begleiten, finden Sie womöglich spannende und nachahmenswerte Ansätze in unseren vier Porträts von Integrationsbetrieben aus der Romandie und der Deutschschweiz (Seiten 14, 18, 22, 26). Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie es selbst unter den gegebenen, nicht immer ganz einfachen Rahmenbedingungen schaffen, innovative Ansätze umzusetzen. Titelbild: Vom Aufbautraining zur Lehrstelle im allgemeinen Arbeitsmarkt: Tobias Huggenberger (links) und sein Praxisbegleiter Ruedi Gubler suchen gemeinsam nach Lösungen. Foto: Learco/Tibor Nad

PUBLIREPORTAGE Grosse Leistung: Neue Software fürs Personenrufsystem Im Emmenfeld Betagtenzentrum der BZE AG rufen betagte Menschen per Knopfdruck nach Unterstützung. Doch was, wenn das Alarmsystem ausfällt? Der technische Dienst, der Hersteller und CKW überbrückten ein Software-Update mit Tempo und originellen Lösungen. Text: Julia Guran Bilder: Matthias Jurt Hinter Vorhängen, im Garten, in Korridoren und Zimmern – die 600 Komponenten des Personenrufsystems im Emmenfeld Betagtenzentrum der BZE AG in Emmen sind überall verteilt. Im Alltag ist das kein Thema, doch beim grossen Update der Alarmierungssoftware hat dies die Verantwortlichen ganz schön gefordert. Doch der Reihe nach. Alle Seniorinnen und Senioren im Emmenfeld Betagtenzentrum tragen eine «Armbanduhr». Mit diesem Transponder rufen sie die Pflege, zum Beispiel, wenn sie Hilfe beim Aufstehen benötigen, Durst haben oder an einer Demenzerkrankung leiden. Manchmal sind es aber auch Notfälle. Für die Sicherheit der Betagten sind diese Geräte daher lebenswichtig. «Die Downtime machte mir am meisten Sorgen» Gerade die Wichtigkeit des Alarmsystems machte das geplante grosse Software-Update zu einer Herausforderung: Denn fürs Update mussten es die Verantwortlichen ausser Betrieb nehmen. «Die Downtime machte mir am meisten Sorgen, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellt», sagt Roger Hermann, Projektleiter und Sicherheitsbeauftragter der Betagtenzentren Emmen AG. Sein Job: das alte, nicht mehr unterstützte System in eine neue Umgebung überführen und die bestehende Hardware migrieren. Detaillierter Plan für den «Hoselupf» Um die Zeit ohne Personenrufsystem kurz zu halten, waren Tempo und eine penible Organisation nötig. Die Partner entwickelten einen detaillierten Schlachtplan, und der sah so aus: — Kernteam aufstellen: je zwei Personen vom technischen Dienst und von Martin.Care sowie vier Personen von CKW — Projektteams bilden, Termine sauber planen, täglich zwei Kick-offMeetings durchführen und Meilensteine kommunizieren — Infrastruktur vorbereiten: ein fahrbarer Tisch mit Programmiergeräten — Alle Transponder einsammeln und beschriften — Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Betagten organisieren «Um die Sicherheit der Bewohnenden jederzeit zu gewährleisten, haben wir das Personal temporär aufgestockt», sagt Roger Hermann. «Dem Aufruf nach zusätzlicher Unterstützung sind innert kürzester Zeit Mitarbeitende aus der Pflege, Hotellerie, Reinigung und dem Facility Management freiwillig gefolgt. Das unkomplizierte gegenseitige Aushelfen war grossartig.» Damit nie jemand gefährdet war, schauten die Pflegefachleute zusammen mit den Freiwilligen regelmässig bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern vorbei. «Zusätzlich setzten wir auf eine alte, originelle Lösung: Wer in der Lage war, es zu bedienen, erhielt ein Glöckchen und rief so die Pflege zu sich – bei offener Zimmertür, versteht sich», so Roger Hermann. Systemwechsel in nur drei Tagen Am Tag X war alles bereit, auch dank der umsichtigen Vorbereitung von CKW, erzählt Roger Hermann. «CKW strahlt Ruhe und Selbstsicherheit aus – eine tolle Truppe, mit der ich sofort wieder ein Projekt machen würde.» Die Firma habe früh und genau gesagt, was sie brauche – den mobilen Tisch mit den Programmiergeräten zum Beispiel. Damit fuhren sie zu den 162 Zimmern und 53 Wohnungen sowie zu all den versteckten Empfängern in Haus und Garten. «Wir mussten über 600 Stück zerlegen, die Kabel einstecken, die Geräte aufdatieren, zuschrauben, testen und wieder richtig installieren.» In nur drei Tagen waren alle Geräte auf dem neuesten Stand, und das neue Alarmsystem funktionierte. Gute Usability und frisches Design Auch der Übergang in den Alltag ist geglückt. Abgesehen von kleinen Startschwierigkeiten hier und da – «normal bei so vielen Geräten», sagt Hermann – laufe das System einwandfrei, inklusive Schnittstellen zum Alarmserver. Intern kommt die neue Alarmierungslösung gut an, weil sie den Arbeitsalltag erleichtert. Das Pflegepersonal schätzt die Usability und das frische Design. Der technische Dienst mag den logischen, übersichtlichen Systemaufbau. «Augen vor Ort» CKW unterstützt das Betagtenzentrum künftig beim Betrieb, bei der Wartung und dem Unterhalt der Alarmierungssoftware. «CKW sind die Augen von Martin.Care vor Ort», erklärt Roger Hermann. Er hätte auch direkt mit dem Hersteller arbeiten können, doch dieser sitzt in Deutschland. «Wir wollten Spezialisten vor Ort, weil wir im technischen Dienst das Wissen nicht in die Tiefe haben», sagt er. Bei CKW kann er sich auf eine umfassende und kompetente Unterstützung verlassen.

Inhalt ARTISET 09 I 2023 5 Impressum: Redaktion: Elisabeth Seifert (esf), Chefredaktorin; Urs Tremp (ut); Claudia Weiss (cw); Anne-Marie Nicole (amn); France Santi (fsa); Jenny Nerlich (jne) • Korrektorat: Beat Zaugg • Herausgeber: ARTISET • 2. Jahrgang • Adresse: ARTISET, Zieglerstrasse 53, 3007 Bern • Telefon: 031 385 33 33, E-Mail: info@artiset.ch, artiset.ch/ Magazin • Geschäfts-/Stelleninserate: Zürichsee Werbe AG, Fachmedien, Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa, Telefon: 044 928 56 53, E-Mail: markus.haas@fachmedien.ch • Vorstufe und Druck: AST&FISCHER AG, Seftigenstrasse 310, 3084 Wabern, Telefon: 031 963 11 11 • Abonnemente: ARTISET, Telefon: 031 385 33 33, E-Mail: info@ artiset.ch • Jahresabonnement Fr. 125.– • Erscheinungsweise: 8× deutsch (je 4600 Ex.), 4× französisch (je 1400 Ex.) pro Jahr • WEMF/KS-Beglaubigung 2023 (nur deutsch): 3167 Ex. (davon verkauft 2951 Ex.) • ISSN: 2813-1355 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur nach Absprache mit der Redaktion und mit vollständiger Quellenangabe. Im Fokus 6 Schweizerische Post: Neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung 10 Perspektiven für soziale Unternehmen 14 In diesem Hotel arbeiten mehrheitlich Menschen mit Beeinträchtigung 18 Inklusion in all ihrer Vielfalt 20 So funktioniert individuell angepasste Arbeit: Fünf Beispiele 22 «Mehrwerk» in Uster: Inklusion unter einem Dach ist machbar 26 Von Learco unterstützt den Schritt in den regulären Arbeitsmarkt wagen kurz & knapp 30 Dating mit Handicap Aktuell 32 Nationales Programm zur Entwicklung der Pflegequalität 36 Kooperation von ambulanten und stationären Angeboten 40 Sinnieren über den Tod – und das Leben 44 Wie das Tablet die Sprache fördern kann 46 Mode für alle 50 Eine neue digitale Plattform erleichtert den Ausbildungsalltag Politische Feder 54 FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt 20 40 54 Blick in eine inklusive Arbeitswelt Das «Mehrwerk» in Uster zeigt, wie es geht. ➞ www.werkheim uster.ch

6 ARTISET 09 I 2023 Ohne Druck teilhaben können Pauline, eine junge Frau aus dem Kanton Fribourg (rechts), arbeitet in der Postfiliale Murten mit. Bis Ende 2024 wird die Post schweizweit 50 unbefristete Teilzeitstellen für Menschen mit einer Beeinträchtigung schaffen. Foto: Schweizerische Post

ARTISET 09 I 2023 7 Im Fokus Mit der Schweizerischen Post engagiert sich erstmals ein schweizweit tätiger Konzern dafür, dass Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf am allgemeinen Arbeitsmarkt teilhaben können. Begleitet worden ist das Projekt vom Branchenverband Insos und von mehreren sozialen Unternehmen. Bis Ende 2024 sollen 50 unbefristete Teilzeitstellen geschaffen werden. Von Elisabeth Seifert Seit Mitte Juli bietet die Post Menschen mit Beeinträchtigung schweizweit neue Arbeitsmöglichkeiten an. Damit wird ein Projekt umgesetzt, das der Bereich PostNetz in 13 seiner Filialen sowie an einem Standort des Contact Centers zwischen Februar 2022 und Mai 2023 getestet hat. Im Rahmen dieses Pilotprojekts ging es darum zu prüfen, was es braucht, damit Menschen mit Behinderungen unterschiedlicher Art, die im ergänzenden Arbeitsmarkt tätig sind, am regulären Arbeitsmarkt teilhaben können. Eng begleitet worden ist das Projekt vom Branchenverband Insos und mehreren sozialen Unternehmen. Gemeinsam haben die Post und Insos mit seinen Integrationsbetrieben ein standardisiertes Vorgehen erarbeitet, das die Grundlage für die Einführung in Postfilialen der ganzen Schweiz bildet. Zentraler Aspekt dabei ist die Zusammenarbeit zwischen einer Filiale und einem sozialen Unternehmen, bei dem die Menschen mit Behinderung mit einem Arbeitsvertrag angestellt sind. Das soziale Unternehmen rekrutiert Mitarbeitende, die sich für eine Tätigkeit bei der Post interessieren. Dabei handelt es sich immer um einen Teilzeiteinsatz. Die Postfiliale und der Integrationsbetrieb besprechen die gegenseitigen Erwartungen, definieren die Arbeitsinhalte, auch das genaue Arbeitspensum. Die Menschen mit Behinderung erhalten die Möglichkeit, ihr Arbeitsumfeld kennenzulernen, von der Post wird eine Praxisbetreuung zur Seite gestellt. Die Gesamtverantwortung für die Person während des – unbefristeten – Teilzeiteinsatzes bleibt beim sozialen Unternehmen. Dieses unterstützt und begleitet sie und zeichnet sich verantwortlich für die Administration sowie sämtliche Pflichten des Arbeitgebers. Nebst den aus dem Pilotprojekt bestehenden 13 Teilzeitstellen will die Post bis Ende 2024 rund 35 weitere Stellen für Menschen mit einer Behinderung schaffen. Das Interesse ist gross. «Bereits im Rahmen des Pilotprojekts gab es viele Anfragen von Integrationsbetrieben, die wir alle auf eine Warteliste gesetzt haben», sagt Florian Fertl, Leiter Unternehmensentwicklung von PostNetz und Mitglied der Geschäftsleitung. Mit diesen Interessierten trete man jetzt in Kontakt. Gleichzeitig kommen sukzessive weitere Anfragen dazu. Eine neue Zielgruppe im Blick «Inklusion PostNetz», so der Name des Projekts, ist eingebettet in eine Strategie des gesamten Postkonzerns, bei der soziale Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt. Die verschiedenen Unternehmensbereiche der Post nehmen ihre soziale Verantwortung auf unterschiedliche Weise wahr. Dazu gehören etwa die Reintegration erkrankter oder verunfallter Mitarbeitender oder auch berufliche Eingliederungsmassnahmen im Rahmen der IV. Diese Massnahmen zielen auf den Erhalt der Arbeitsfähigkeit oder die Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt ab. Mit «Inklusion PostNetz» nimmt die Post eine Zielgruppe in den Blick, die sie bis jetzt noch wenig berücksichtigt hat: So sollen auch Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht am allgemeinen Arbeitsmarkt teilnehmen können, eine Chance zur Teilhabe erhalten. Um die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung besser zu verstehen und die Ansatzpunkte für eine solches Projekt zu entwickeln, hat die Post TAGUNG: DER INKLUSIVE BETRIEB Am 21. November findet in Bern (Eventfabrik, Fabrikstrasse 12) eine nationale Tagung statt zum Thema «Der inklusive Betrieb. Arbeitgeber der Zukunft». Die Tagung richtet sich an Arbeitgebende der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand, an Führungskräfte und Strategieorgane von Integrationsbetrieben, an Arbeitsagoginnen und Arbeitsagogen sowie weitere Interessierte. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sollen folgende Fragen erörtert werden: Wie sieht unser Engagement für Diversität und Inklusion aus? Wo stehen wir heute bei der Umsetzung? Was braucht es, damit ein Betrieb zukunftsfähig inklusiv werden kann? Gibt es Best Practice Beispiele? Thematisiert wird auch das Projekt «Inklusion Postnetz». Zudem wird ein Self Check präsentiert, bei dem Arbeitgebende erfahren, wie es um ihren Betrieb in Sachen Inklusion steht und welche Massnahmen sie allenfalls noch ergreifen können. Zudem findet an der Tagung die Preisverleihung des Socialstore Awards 2023 statt. Anmeldung: agenda.artiset.ch (bis 11. November)

8 ARTISET 09 I 2023 Anzeige MEHR ZEIT FÜR DIE PFLEGE DANK DER SMARTLIBERTY-LÖSUNG SmartLiberty vereint in einem einfachen und modularen System Funktionen wie den mobilen Bewohnerruf, Weglaufschutz, Assistenzruf, die einheitliche Kommunikation und vieles mehr. Sie möchten unsere Lösung live im Einsatz sehen? Besuchen Sie uns an einem After-Work Event in Ihrer Region. gemäss Florian Fertl bereits bei Beginn der Projektarbeiten den Kontakt zu sozialen Unternehmen gesucht. In einem ersten, kleinen Pilotprojekt zwischen der Band-Genossenschaft in Bern und zwei Postfilialen im Raum Bern habe man erste, wichtige Erkenntnisse gewinnen können. In beiden Filialen teilten sich je zwei Menschen mit Behinderung eine 50-Prozent-Stelle. «Es ist uns dabei sehr schnell bewusst geworden, wie wichtig, die positive Einstellung des Teams respektive der Teamleitung ist», sagt Florian Fertl. Die Team-Sensibilisierung habe deshalb im weiteren Projektverlauf eine wichtige Bedeutung erhalten. Weiter habe man beschlossen, dass der Integrationsbetrieb der Post die Arbeitskraft der betreffenden Menschen im Rahmen einer unbefristeten Teilzeitanstellung zur Verfügung stellt – es also nicht zu einer Festanstellung bei der Post kommt. Fertl nennt dafür zwei Gründe: «Uns fehlt das Know-how, um die fachliche Betreuung der Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Und: Weil wir uns erstmals in einem grösseren Umfang in diesem Bereich engagieren, brauchen wir eine Rückfallebene.» Er will aber nicht ausschliessen, dass die Festanstellung für jene Einzelfälle, die das entsprechende Potenzial entwickeln, individuell geprüft werden kann. Feste Anstellung nicht zwingend im Zentrum «Der Ansatz der Post bei diesem Projekt ist nicht rein leistungsorientiert, das finde ich spannend», unterstreicht Adrian Kurzen. Er ist Leiter Dienstleistungen der Band-Genossenschaft und hat gemeinsam mit Mitarbeitenden der Post die ersten Pflöcke von «Inklusion PostNetz» eingeschlagen. Das Projekt ziele auf Menschen, so Kurzen, die das Interesse und auch das Talent haben, am allgemeinen Arbeitsmarkt teilzunehmen respektive teilzuhaben, ohne dass es aber zwingend um die Frage der beruflichen Integration gehen muss. Das aktuelle System kenne bis jetzt, wie Kurzen feststellt, vor allem zwei Alternativen: Entweder arbeiten Menschen mit Behinderung in einem sozialen Unternehmen, oder man testet mittels befristeter Integrationsmassnahmen, ob sie das Potenzial für den allgemeinen Arbeitsmarkt haben. Es gebe aber eine ganze Reihe von Menschen mit einer Behinderung, für welche die Ablösung vom sozialen Unternehmen eher Im Fokus

ARTISET 09 I 2023 9 unwahrscheinlich ist, da es ihnen aufgrund ihrer Behinderung kaum möglich ist, konstant und über längere Zeit hinweg die geforderte Leistung zu erbringen. «Die Teilzeiteinsätze bei der Post, während denen die betreffenden Personen weiterhin von der Institution fachlich unterstützt werden, ermöglichen Teilhabe, ohne dass Druck ausgeübt wird.» Dazu trage wesentlich bei, dass die Teilzeiteinsätze unbefristet seien. «Der Einsatz bei der Post wird damit nicht zu einer Art Praktikum, wo man drei Monate lang sein darf und dann wieder gehen muss, um jemand anderem Platz zu machen.» Die betreffenden Personen sollen unbefristet teilhaben können, auch wenn sie über längere Zeit keine Fortschritte in Richtung Arbeitsmarktfähigkeit machen. Schweizweite Umsetzung Aussergewöhnlich am Postprojekt ist insbesondere, dass es sich hier nicht um eine Kooperation zwischen einer Institution und einem Arbeitgeber auf lokaler oder regionaler Ebene handelt, sondern um ein schweizweites Projekt. «Mit der Post engagiert sich erstmals ein schweizweit tätiger Konzern für die Teilhabe von Menschen mit grossen Unterstützungsbedarf am allgemeinen Arbeitsmarkt.» Das sagt Annina Studer, Leiterin Arbeitswelt beim Branchenverband Insos. Sie bringt damit die Bedeutung zum Ausdruck, die das Projekt für soziale Unternehmen und die von ihnen begleiteten Menschen hat. Die Aufgabe von sozialen Unternehmen bestehe darin, auch Menschen mit stärkeren Beeinträchtigungen, die wahrscheinlich nie eine klassische Erwerbsarbeit ausüben können, eine sinnvolle Arbeit anzubieten. «In Zusammenarbeit mit der Post können sie diesen Menschen jetzt sogar die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen.» Im Bewusstsein um die Bedeutung des Projekts haben die Verantwortlichen von PostNetz für die nationale Umsetzung eine Projektleitung eingesetzt. Zudem habe man, wie Florian Fertl festhält, der Projektleitung zwecks Beratung ein Soundingboard zur Seite gestellt. In diesem vertreten waren mit Annina Studer der Branchenverband Insos und mehrere soziale Unternehmen. Mit an Bord waren unter anderem auch kantonale Behörden sowie Vertretende der Invalidenversicherung. «Als Branchenverband haben wir hier die Stimme der Integrationsbetriebe schweizweit eingebracht», sagt Annina Studer. Eine Herausforderung bestand etwa darin, die unterschiedlichen Modelle der Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und der Wirtschaft sowie die verschiedenen kantonalen Gesetzgebungen zu berücksichtigen respektive auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Insos habe zudem, so Studer, zu spezifischen Fragen, wozu die Finanzierung gehörte, das eigene brancheninterne und -externe Netzwerk einbeziehen können. «Wir haben dabei auch bewusst die kritischen Stimmen eingeholt», wie sie betont. Als neu bezeichnet Annina Studer weiter, dass die Post den sozialen Unternehmen einen fixen Betrag pro geleistete Arbeitsstunde der Menschen mit Behinderung in der Postfiliale zahlt. «Die Post leistet damit eine Abgeltung für den Wegfall der produktiven Leistung, den die betreffende Person im sozialen Unternehmen erbringen würde.» Im Verlauf der Projektarbeiten kam es immer wieder zu kontroversen Diskussionen. Diese entzündeten sich gemäss Florian Fertl an Abgeltungsfragen und an der zusätzlichen Belastung durch Betreuungsaufgaben der bestehenden Mitarbeitenden. Um solchen Befürchtungen zu begegnen, habe man denn auch, so Fertl, die Anzahl der Mitarbeitenden bis Ende 2024 vorerst auf 50 beschränkt. Hoher sozialer Gewinn «Inklusion PostNetz» ist nicht gratis. Für die Post entsteht ein nicht zu unterschätzender Aufwand, zum einen durch die Abgeltungen der geleisteten Arbeitsstunden, zum anderen durch die Einarbeitung und die Begleitung der Menschen mit Behinderung an ihrem Arbeitsplatz. Ein Aufwand indes, den die Post gemäss Florian Fertl in Kauf nimmt: «Wir haben dafür das Commitment der Konzernleitung.» Der Aufwand werde, wie Fertl betont, durch den «sozialen Gewinn» mehr als wettgemacht. Dies zeigen bereits die Erfahrungen aus der Projektphase. «Die Mitarbeit von Menschen mit Behinderung fördert den Teamgeist», beobachtet er. Die Rücksichtnahme habe eine höhere gegenseitige Wertschätzung innerhalb des Teams zur Folge, wodurch sich die Zusammenarbeit verbessere. Einen Gewinn bedeutet das Projekt auch für die mitarbeitenden Menschen mit Behinderung. So habe etwa allen Mitarbeitenden der Band-Genossenschaft, die bei den Pilotprojekten mitgemacht haben, die Arbeit gut gefallen, bilanziert Adrian Kurzen. «Das Post-Gilet tragen zu dürfen, macht stolz.» Gleichzeitig bedeutete der Einsatz aber auch eine Herausforderung. Kurzen: «Einige brauchten die Erholungsphasen innerhalb der Institution, und andere kamen auch zum Schluss, dass die Einsätze für sie zu fordernd sind.» Annina Studer setzt auf die schweizweite Ausstrahlungskraft von «PostNetz Inklusion»: Sie bezeichnet das Projekt als die «konsequente Fortführung einer unternehmerischen Inklusionsstrategie, mit der eine weitere Inklusionslücke geschlossen wird». Und: «Ähnliche Kooperationen wie mit der Post sind auch mit anderen Firmen möglich.» Die sozialen Unternehmen und die Wirtschaft können sich damit, so Studer, im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention weiterentwickeln. «Ähnliche Kooperationen wie mit der Post sind auch mit anderen Firmen möglich.» Annina Studer, Leiterin Arbeitswelt vom Branchenverband Insos

10 ARTISET 09 I 2023 Im Fokus Soziale Unternehmen können viel bewirken, wenn sie gegenüber dem allgemeinen Arbeitsmarkt Übersetzungsarbeit leisten – und im Interesse der Menschen mit Unterstützungsbedarf individuelle Lösungen suchen. Das meint Beni Brennwald*, Gründer der Grundlagenwerk AG in Wangen bei Olten, die sich der Entwicklung praxistauglicher Betriebskonzepte für soziale Unternehmen verschrieben hat. Interview: Elisabeth Seifert «Sozialunternehmen und die Wirtschaft miteinander verweben» Herr Brennwald, die Grundlagenwerk AG versteht sich als Ideenfabrik für soziale Unternehmen der Zukunft. Soziale Institutionen haben also auch künftig eine Perspektive? Ja, ich glaube schon, und zwar gerade wegen ihrer Vergangenheit. Die soziale Arbeit hat in der Schweiz eine über 100-jährige Geschichte. In dieser Zeit ist in den Bereichen Sozialpädagogik, soziale Arbeit und Arbeitsagogik viel Know-how erarbeitet worden. Regionale und nationale Netzwerke wurden aufgebaut, und es ist inzwischen ein riesiger Erfahrungsschatz vorhanden. Wenn man zukünftig die Rechnung ohne Sozialunternehmen oder soziale Institutionen macht, dann macht man die Rechnung ohne dieses Know-how. Die klassischen Sozialunternehmen stehen aber zunehmend unter Druck? In einem sich wandelnden Markt hat etwas Statisches grundsätzlich wenig Zukunft, egal um welche Art von Unternehmen es sich handelt. Und ich befürchte, dass bei Sozialunternehmen die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Anforderungen nicht überall vorhanden ist. Das Festhalten an bestimmten, einmal aufgebauten Strukturen erklärt sich allerdings auch mit dem Auftrag, den soziale Institutionen über Jahrzehnte hatten. Welchen Auftrag sprechen Sie hier an? Historisch betrachtet und vereinfacht gesagt, hat die soziale Arbeit den Auftrag, benachteiligten Personen den Zugang und die Teilhabe zur Gesellschaft zu ermöglichen. Früher wurde dies vermehrt in den pauschalen Wohn- und Arbeitszentren umgesetzt. Denn soziale Institutionen arbeiten mit Menschen in äusserst komplexen Lebenssituationen und mit herausfordernden persönlichen Schicksalen. Die damit verbundene Verantwortung ist immens. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sie auf langjährig gewachsene, bewährte und damit stabile Lösungen setzen. Inwiefern haben sich die Anforderungen verändert? In den letzten Jahren kam es zu gesellschaftlichen und auch gesetzlichen Veränderungen. So kam beispielsweise die IV etwas weg von der Rente und hin zu Bemühungen, die betroffenen Personen in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Auch die Sozialhilfe setzt vermehrt auf Integration. Zudem sucht man anstelle von Pauschallösungen auf die spezifischen Bedürfnisse der Menschen abgestimmte individuelle Möglichkeiten, mit dem Ziel, Selbstverantwortung und Partizipation zu ermöglichen. Es braucht also zunehmend flexible und angepasste Angebote.

ARTISET 09 I 2023 11 Solche flexiblen, individuellen Lösungen bedeuten eine Herausforderung für die Institutionen… Ja. Und es ist auch eine Entwicklung, die für die Institutionen nicht ganz konfliktfrei und auch nicht ohne Widerspruch ist. Soziale Institutionen respektive Sozialunternehmen befinden sich in einem dreifachen Spannungsfeld. Sie haben einen gesetzlichen Auftrag der Gesellschaft, einen von den betroffenen Personen sowie einen weiteren Auftrag aufgrund ihrer Profession. Ich verstehe Institutionen, die Schwierigkeiten damit haben, sich in diesem Spannungsfeld zu positionieren. Ich habe aber auch Verständnis für die entsprechenden Anforderungen des Marktes, der Sozialversicherungen und für die Wünsche der betroffenen Personen. Die UN-BRK fordert sehr radikal eine De-Institutionalisierung, Teilhabe und Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Ihre Meinung? Ich finde es immer wichtig, eine Orientierung zu haben, ein Ideal oder ein Ziel zu formulieren – auch, um dann darüber einen Dialog führen zu können. Um die Postulate der UN-BRK umzusetzen, braucht es Zeit, Differenzierungen und den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren. Dazu gehört auch der bestehende Arbeitsmarkt. Ich denke allerdings nicht, dass der Arbeitsmarkt, so wie er heute funktioniert, die UN-BRK unmittelbar umsetzen kann. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es möglich ist, gemeinsam den Arbeitsmarkt so zu erweitern, dass eine zunehmende Annäherung an die Forderung möglich wird. Was verstehen Sie unter dieser Erweiterung des Arbeitsmarktes? Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, worum es grundsätzlich geht. Die Fachpersonen der beruflichen Integration können betroffene Personen dabei unterstützen, sich den Anforderungen des Marktes anzunähern. Gleichzeitig kann der bestehende Markt vermehrt Arbeitsplätze an die Voraussetzungen der Personen anpassen. Ich glaube allerdings, wir brauchen auch neue Formen von Dienstleistungen, neue Branchen und neue Betriebskonzepte, die von einer inklusiven Gesamtgesellschaft abgeleitet sind und von allen Menschen aktiv mitgestaltet werden. Sind Unternehmen im allgemeinen Arbeitsmarkt bereit dazu, solche Ideen zu unterstützen? Den Vorwurf, dass der allgemeine Arbeitsmarkt keinen Beitrag leisten will, hinterfrage ich. Der Arbeitsmarkt ist aus meiner Sicht in erster Linie ungenügend informiert. Es braucht also im Kern keine gesetzlichen Leistungen wie Quotenregelungen oder andere regulierende Massnahmen. Gefragt ist vielmehr eine edukative Leistung, welche wiederum die sozialen Institutionen erbringen können. Was verstehen Sie unter dieser edukativen Leistung der Institutionen? Ein Beispiel für das Interesse des allgemeinen Arbeitsmarktes ist die Schweizerische Post. Dort werden aktuell Möglichkeiten zur Teilhabe und zur beruflichen Integration geschaffen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Unterstützungsleistungen in die Wirklichkeit der Unternehmen übersetzt werden können. Dabei geht es darum, die Bedürfnisse der Betroffenen mit der Realität der Arbeitgebenden in Einklang zu bringen. Wie gelingt den Sozialunternehmen eine solches Übersetzungsleistung? Das ist ein sehr individueller Prozess, der die spezifischen Möglichkeiten der einzelnen Betriebe berücksichtigen muss. Und die Sozialunternehmen müssen ihrerseits prüfen, welche Kompetenzen sie haben, auch wie und mit welchen Partnern sie die Übersetzungsarbeit leisten können. Können Sie diese Übersetzungsleistung konkretisieren? Der wachsende Markt an Jobcoaching-Angeboten erbringt beispielsweise eine solche Leistung. Im Kanton Aargau etwa haben mehrere Sozialunternehmen gemeinsam die Learco ins Leben gerufen, um Betroffene und Arbeitgebende gleichermassen zu unterstützen. Oder es gibt soziale Institutionen, die Gebäude kaufen, um einen Teil davon an Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes vermieten. Ein solches Beispiel ist das Mehrwerk Uster. Das soziale Unternehmen operiert auf diese Weise inmitten anderer Betriebe. Dadurch gibt es einen Rollenwechsel und es entsteht ein niederschwelliger DIE GRUNDLAGENWERK AG Als gemeinnützige Aktiengesellschaft 2018 in Wangen bei Olten gegründet, hat die Grundlagenwerk AG das Social Franchising in der Sozialbranche etabliert. Aushängeschild dafür ist das Projekt Restwert, das mittlerweile in der ganzen Schweiz an über 20 Standorten von sozialen Institutionen umgesetzt wird. «Restwert» richtet sich an Menschen mit Eingliederungspotenzial im kaufmännischen Bereich. Es übernimmt den kompletten Aufwand beim Verkauf gebrauchter Artikel auf einer Online Handelsplattform. Ebenfalls mittels Social Franchising geht mit «Fundpark» demnächst ein weiteres Projekt an den Start, das sich an Menschen mit Eignung im Bereich Mediamatik richtet. Das Grundlagenwerk erbringt zudem Beratungsleistungen, organisiert Tagungen und hält Referate zum Thema der sozialen Innovation.

12 ARTISET 09 I 2023 Im Fokus Zugang zu neuen Möglichkeiten der Inklusion. Oder das, was wir über die Grundlagenwerk AG soeben gestartet haben: Inmitten der After Sales Logistik von Digitec Galaxus im aargauischen Dintikon betreiben wir seit Kurzem das Projekt Restwert. Sie integrieren damit einen Standort des vor einigen Jahren gegründeten Projekts zur beruflichen Integration direkt in einen grossen Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes? Genau. Das Projekt Restwert, das den kompletten Aufwand beim Verkauf gebrauchter Artikel auf einer Online-Handelsplattform übernimmt, ist damit erstmals direkt innerhalb eines Betriebes integriert. Unser Betriebsleiter ist zudem jemand, der vorher bei Digitec Galaxus gearbeitet hat. Wir verweben damit die Kompetenzen und Aufgaben so gut es geht, um die Schwelle zwischen dem vermeintlichen zweiten und ersten Arbeitsmarkt tatsächlich auf eine Türschwelle zu reduzieren. Die Personen können je nach Bedürfnis und Fähigkeit im Integrationsbetrieb arbeiten oder direkt im allgemeinen Arbeitsmarkt. Sie mussten hierfür sicher einige Übersetzungsarbeit leisten? Digitec Galaxus hat, wie die meisten Firmen, begrenztes Know-how im Bereich der beruflichen Integration, aber ein hohes Interesse, einen Beitrag zur Inklusion zu leisten. Wir, als Sozialunternehmen, haben dieses Know-how, die Erfahrung, die regionale Vernetzung mit anderen Arbeitgebenden, mit Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen und mit den Sozialversicherungen. Diese Ressourcen sind über Jahrzehnte gewachsen. Daran müssen wir anknüpfen. Hier treffen zwei Disziplinen mit jeweils eigenem Erfahrungshintergrund aufeinander, und es geht darum, einander zu verstehen. Innovativ am Projekt Restwert ist ganz besonders auch, dass dieses mittels Social Franchising rasch und unkompliziert an vielen Standorten umgesetzt werden kann. Wie kam es dazu? Gestartet ist das Projekt Restwert 2016, als zunächst verworfene Idee in einer Schublade. Damals war ich noch Geschäftsleitungsmitglied in einer sozialen Institution im Raum Olten. In Gesprächen mit anderen Sozialtätigen ist mir aufgefallen, dass viele Institutionen die gleichen Fragen beschäftigen. Wir alle brauchen Betriebskonzepte, die eine realistische Arbeit ermöglichen, um Menschen zu qualifizieren. Zudem müssen diese Konzepte rentabel sein, auch innerhalb des wandelnden Sozialversicherungsmechanismus. Und sie müssen relevant sein, um eine sinnvolle Arbeit zu ermöglichen. Und weshalb haben Sie gerade das Social-Franchising-Konzept gewählt? Mein Ziel war es nicht, einfach ein weiteres Start-up zu gründen, sondern ein Konzept zu entwickeln, das auch andere brauchen können. Wir haben ja, wie gesagt, alle die gleichen Fragen und Probleme. Das Projekt Restwert war deshalb von Anfang so ausgerichtet, dass man es einfach kopieren kann. Es ist auf einen regionalen Wirkungskreis ausgerichtet. Alle Prozesse sind allgemein gehalten, sodass die Institutionen diese auf ihre eigene Art interpretieren können. Wir haben das Konzept während mehrerer Jahre getestet und immer wieder Anpassungen vorgenommen, bis es wirklich funktioniert hat. Wie kam es 2018 zur Gründung der Grundlagenwerk AG? Wir brauchten eine Rechtsform, um die Multiplikation des Konzepts zu koordinieren, ohne dass ein Machtgefälle entsteht. Wir haben deshalb den Standort von Projekt Restwert in Wangen an die Institution Zugpferd GmbH auf unserem Gelände weitergegeben und das Grundlagenwerk gegründet. Dieses ist in der Integration nicht operativ tätig, sondern vergibt die Lizenzen und ist zuständig für die fortlaufende Aktualisierung des Konzepts. Mittlerweile haben Institutionen aus der ganzen Schweiz über 20 solcher Betriebe erfolgreich aufgebaut. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? So gut sind wir vermutlich auch wieder nicht, und ich fürchte, unser Erfolg ist auch ein Hinweis darauf, wie gross das Vakuum im Bereich markttauglicher Betriebskonzepte ist. Die Branche verbessert sich aber laufend. Trotzdem denke ich, sind wir ein gutes Beispiel dafür, was funktionieren könnte, wenn verschiedene Disziplinen in einen Dialog treten: An der Entwicklung des Betriebskonzeptes war nebst Vertretenden der Sozialversicherungen und des Arbeitsmarktes auch eine betroffene Person aus einer beruflichen Massnahme beteiligt, welche später die Betriebsleitung innehatte. «Wir brauchen auch neue Formen von Dienstleistungen und neue Betriebskonzepte, die von einer inklusiven Gesamtgesellschaft abgeleitet sind und von allen Menschen aktiv mitgestaltet werden.» Beni Brennwald

ARTISET 09 I 2023 13 Der Zusammenarbeit unter verschiedenen Akteuren hat sich gerade auch das Projekt «Parexemple» verschrieben, das von Ihnen respektive vom Grundlagenwerk koordiniert wird… Es handelt sich hierbei um eine interdisziplinäre Gruppe mit Vertretenden aus der Sozialbranche und der Privatwirtschaft. Diese Gruppe hat sich ursprünglich den Auftrag gegeben, einen Beitrag zur beruflichen Integration zu leisten. Dabei überlegen wir uns, wie man mit möglichst wenig Aufwand viel bewirken kann. Wir kamen zum Schluss, dass wir die Sichtbarkeit von Innovationen und Best-Practice-Beispielen erhöhen müssen. Der Projektname «Parexemple» meint eigentlich nichts anderes als aufzuzeigen, was bereits gemacht wird. Das eigentliche Problem besteht unserer Meinung darin, dass die Akteure oft schlicht nicht wissen, was auf diesem Gebiet bereits gemacht wird. Auch hier geht es wieder um eine edukative Leistung. Zurzeit prüfen wir, in welcher Form diese erbracht werden kann. Wer ist in dieser interdisziplinären Gruppe dabei? Wir haben unter anderem Vertretende der Post und von Digitec Galaxus mit dabei sowie Vertretende von sozialen Institutionen, Fachhochschulen und Sozialversicherungen. Um etwas bewegen zu können, braucht es eine möglichst ausgeglichene Vertretung des allgemeinen Arbeitsmarktes und der Sozialbranche. Zudem versuchen wir auch, Vertretende aus Politik und Verwaltung zu gewinnen. Empfinden Sie die Rahmenbedingungen der Sozialbranche als innovationshemmend? Nein. Innovation geht nicht von Rahmenbedingungen aus. Die Wirtschaft, die Sozialbranche, die Behörden und die Versicherungen: Wir leben alle in unserer eigenen Wirklichkeit. Es scheint mir wichtig, dass wir miteinander reden Beni Brennwald in den Räumen des Grundlagenwerks in Wangen bei Olten: «Den Vorwurf, dass der allgemeine Arbeitsmarkt keinen Beitrag leisten will, hinterfrage ich.» Foto: esf und gemeinsam nach Lösungen suchen. Es macht keinen Sinn, nach Schuldigen zu suchen. Vonseiten der Sozialbranche müssen wir auch gegenüber den Behörden und den Versicherungen eine edukative Leistung erbringen. Klar wünschte ich mir manchmal, dass wir raschere und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Finanzierungslösungen finden könnten. Wir machen aber die Erfahrung, dass man die staatliche Logik gut auch etwas biegen kann, wenn es gelingt, eine gemeinsame Haltung und Sprache zu finden. * Beni Brennwald, Jg. 1985, ist unter anderem gelernter Grafiker, Sozialpädagoge und hat ein Studium in Betriebswirtschaft gemacht. Er hat etliche Start ups realisiert sowie Netzwerke mit aufgebaut und arbeitet in verschiedenen Gremien der Sozialbranche mit. Nach langjähriger Aufbauarbeit in einer sozialen Institution hat er 2016 das Projekt Restwert lanciert, 2018 die Grundlagenwerk AG und 2020 die Zugpferd GmbH gegründet.

14 ARTISET 09 I 2023

ARTISET 09 I 2023 15 Im Fokus «Willkommen in einem einzigartigen Hotel!» Zwei Drittel der Belegschaft des Martigny Boutique-Hotels im Wallis sind Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Sie arbeiten im Service, in der Küche und in der Verwaltung. Hinter dieser Integrationsinitiative steht die Walliser «Fondation valaisanne en faveur des personnes avec une déficience intellectuelle», die sich insbesondere in arbeitsagogischer Begleitung engagiert. Von Anne Marie Nicole «Lassen wir uns im Restaurant von Menschen mit Behinderung bedienen?», wunderte sich jüngst Peter Saxenhofer, Geschäftsführer des Branchenverbands Insos, über die Bedeutung, die wir als Gesellschaft der Integration von Menschen mit Behinderung beimessen. Im Martigny Boutique-Hotel, wo zwei Drittel der Mitarbeitenden Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sind, stellt sich diese Frage nicht. An der Rezeption begrüsst das Team die Gäste, welche zum ersten Mal im Walliser Hotel verweilen, mit einem fröhlichen «Willkommen in einem einzigartigen Schweizer Hotel!», bevor es ihnen die Besonderheiten dieses Orts erklärt. Das Restaurant La Cordillère besuchen vorwiegend einheimische Geschäftsleute. Sie kommen aus Neugier, Solidarität oder auch aus Bequemlichkeit. Es komme vor, dass Gäste ungeduldig, fordernd und schroff reagierten, bemerkt Raphaël, der seit der Eröffnung des Hotels vor acht Jahren im Service tätig ist. Er ergänzt jedoch sofort, die meisten Leute seien angenehm und wohlwollend. Derselben Meinung ist auch seine Kollegin Claire-Lise. Sie gehört ebenfalls zum Servicepersonal der Bar und des Restaurants und entdeckte diesen Beruf vor drei Jahren. «Der Kontakt mit den Menschen gefällt mir.» Und das sei gut so, denn an diesem Morgen seien viele Gäste beim Frühstück da gewesen, erzählt sie. Inzwischen ist es wieder ruhiger geworden. Während die junge Frau das Frühstücksbuffet abräumt, beschäftigt sich ihre Kollegin Mégane in der Küche unter dem wachsamen Auge des Arbeitsagogen Pascal bereits mit den Käseplatten für das morgige Frühstück. Mégane absolvierte eine von der Westschweizer Organisation für berufliche Eingliederung und Ausbildung (Orif) angebotene Ausbildung in der Küche. Sie versuchte es auch im Service, bevorzugt aber klar die Atmosphäre in der Küche und das Vorbereiten der kalten Buffets für die Vorspeisen und Desserts. Vielfältige Strukturen Das Martigny Boutique-Hotel ist ein Pionierprojekt für soziale Integration und eine Initiative der Fondation valaisanne en faveur des personnes avec une déficience intellectuelle (FOVAHM). Die Stiftung ist seit über einem halben Jahrhundert im französischsprachigen Wallis tätig, wo sie mehr als 400 Personen ab 18 Jahren aufnimmt, betreut und ausbildet. Ihr beruflicher und sozialer Bereich zeichnet sich durch seine vielfältigen Strukturen aus: ein Ausbildungszentrum für junge Erwachsene, 21 geschützte Werkstätten, 14 integrierte Werkstätten in Walliser Betrieben (Gruppenintegration), 8 Tageszentren und arbeitsagogische Unterstützungsmassnahmen in Betrieben (Einzelintegration). «Menschen mit Behinderung verfügen über Fähigkeiten», Mégane bereitet unter den wachsamen Augen des Arbeitsagogen Pascal die Käseplatten für das Frühstück am nächsten Tag vor. Foto: amn

16 ARTISET 09 I 2023 Im Fokus erklärt Daniel Zufferey, Geschäftsführer der Stiftung. «Aber nicht alle haben die Fähigkeit oder Lust zur betrieblichen Integration», fährt er fort: «Manche Menschen fühlen sich in einer geschützten Werkstatt besser aufgehoben, selbst wenn sie fähig wären, in einem Betrieb zu arbeiten. Die Hauptsache ist, dass sie die Wahl haben und am richtigen Platz sind.» Der Wunsch nach einem breiteren Berufsangebot stand am Anfang des Projekts Martigny Boutique-Hotel. Die ganze Geschichte geht auf Anfang der 2000er-Jahre zurück. «Damals stellten wir fest, dass wir nur wenig Anstellungsmöglichkeiten in Gastgewerbe und Hotellerie anboten, obwohl die betreuten Personen in diesen Bereichen über viele Kompetenzen verfügten», erinnert sich Daniel Zufferey. In den 2010er-Jahren nahm das Hotel endlich Gestalt an. Und da man nur gut bedient ist, wenn man sich selbst bedient, entschied sich die FOVAHM zum Bau eines eigenen Hotels. Seit Herbst 2015 steht das Hotel in einem Geschäftsquartier der Stadt Martigny, nur wenige Minuten Fussweg vom Bahnhof entfernt. Alle 52 Zimmer tragen Namen von Kunstmalerinnen und Kunstmalern, deren Werke in der Fondation Pierre Gianadda ausgestellt wurden. Die Stiftung ist Partnerin des Projekts. Sinnvolle und wertschätzende Arbeitsplätze Das Hotel ist wie die im Jahr 2018 eröffnete Galerie Oblique in Saint-Maurice eine Firma, welche die Stiftung unabhängig von den sozio-edukativen und arbeitsagogischen Aufträgen betreibt und die in keinem Zusammenhang mit dem Leistungsauftrag des Kanton Wallis steht. Das Hotel bietet vor allem hervorragende Möglichkeiten zur Schaffung von sinnvollen und wertschätzenden Arbeitsplätzen. Neben den rund zwanzig Gastronomie- und Hotelfachleuten arbeiten dreissig Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung in integrierten Werkstätten in den Bereichen Küche, Service und Verwaltung, wo sie von Fachpersonen der Arbeitsagogik begleitet werden. «Es ist schwierig, ein bestehendes Hotel zu finden, das so viele Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anbietet», erklärt Daniel Zufferey. Das Interesse an einem eigenen Hotel liegt für die Stiftung aber auch noch anderswo: Es bietet nämlich die Gelegenheit, die in den geschützten Werkstätten der Stiftung hergestellten Produkte zu bewerben und aufzuwerten. Man findet die Holzarbeiten, Kosmetikartikel und Delikatessen auf den Zimmern und Tischen des Restaurants sowie im Shop gegenüber der Rezeption. «Anders, aber alle zusammen» Die Leitung der Einrichtung wurde Mathias Munoz, einem Fachmann aus der Branche, anvertraut. Wie bei allen Privatunternehmen ist der Geschäftsführer verantwortlich für die personellen und finanziellen Ressourcen und wacht über Geschäftsentwicklung und Qualität der Dienstleistungen. Laut Einschätzung von Mathias Munoz sind die Herausforderungen, mit denen die Hotellerie im Allgemeinen konfrontiert wird, auch hier nicht viel anders. Nach dem Motto «Anders, aber alle zusammen» stellt er hinsichtlich Arbeitsqualität an die Berufsfachleute die gleichen Anforderungen wie an die Mitarbeitenden mit einer Behinderung – auch wenn Letztere bei der Stiftung angestellt sind und nicht auf der Lohnliste des Hotels stehen. Einzig die Kommunikation und der Arbeitsrhythmus unterscheiden sich. Denn: «Wird ein Gast unfreundlich empfangen, ist das Essen schlecht oder das Zimmer nicht sauber, kommt er nicht mehr. Und ohne Gäste gibt es keine Arbeit und folglich auch keine integrierten Werkstätten mehr!» Das Martigny Boutique-Hotel ist ein Win-win-Projekt: Es wertet die Fähigkeiten der Menschen mit einer kognitiven Behinderung auf und reduziert gemäss Erfahrung von Mathias Munoz gleichzeitig die Personalfluktuation und die krankheitsbedingten Absenzen bei Berufsfachleuten. «Die betriebliche Integration verleiht der Alltagsarbeit ein anderes Gesicht: Durch ihre Spontaneität, ihren Enthusiasmus, ihr Engagement und ihre Kompetenzen verstärken die integrierten Menschen Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl in den Teams», stellt der Hotelmanager fest. Daniel Zufferey freut sich darüber. Umso mehr, weil weitere integrierte Werkstätten mit lokalen Partnern in Planung sind. «Vor zwanzig Jahren hatten wir zwei betrieblich integrierte Personen, heute sind es bereits rund hundert, die eine Stelle in einer Gruppenintegration haben und fünfzig in Einzelintegration.» Abschliessend findet er: «Integration muss unterschiedliche Formen annehmen. Und unsere Aufgabe als Institution ist es, ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten anzubieten.» JEDE ARBEIT VERDIENT EINEN LOHN Anfang Jahr sorgte der Monatslohn eines jungen Mannes mit Behinderung für Schlagzeilen. Fünf Franken erhielt er für seine Arbeit in einer geschützten Werkstatt. Wie sieht es diesbezüglich im Martigny Boutique Hotel aus? «Der Lohn von Menschen mit Behinderung, die bei uns arbeiten, muss global betrachtet werden», erklärt Daniel Zufferey, Geschäftsführer der Stiftung FOVAHM. Er besteht aus einer IV Vollrente, was für nahezu alle begleiteten Personen bei der FOVAHM gilt, sowie einer Entschädigung der Stiftung für die Arbeit in der Werkstatt. Die Werkstätten der Stiftung erwirtschaften einen Gesamtumsatz von drei Millionen Franken, wovon eine Million in die Finanzierung der Rohstoffe fliesst. Von den restlichen zwei Millionen Bruttomarge wird die Hälfte als Entschädigungen verteilt. «Wir erachten es als richtig, dass der Umsatz die Rohstoffkosten und Entschädigungen der begleiteten Personen deckt und dass ein Teil den Unterhalt der Werkzeuge und Maschinen sowie das Funktionieren der Werkstätten mitfinanziert», präzisiert Daniel Zufferey. Die Beschäftigten in den integrierten Werkstätten (Küche, Service, Verwaltung) des Martigny Boutique Hotels erhalten bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 27,5 Stunden pro Woche (mit ständiger Begleitung) 490 Franken pro Monat. Dies entspricht einem durchschnittlichen Stundenlohn von rund 4.10 Franken.

Einfach intern kommunizieren Involve – Die Schweizer App für Mitarbeitende. Dank kurzen Kommunikationswegen, einfacher Bedienung und durch das aktive Involvieren der Mitarbeitenden bietet die Lösung von Involve einen echten Mehrwert. Publireportage Die Schweizer MitarbeitendenApp im Einsatz bei jetzt Niedersimmental AG Im Interview Stephan Simon, Geschäftsführer bei jetzt Niedersimmental AG in Erlenbach i.S., BE Wissen und Verstehen was läuft und bei ausgewählten Themen auch selbst etwas beitragen dürfen: Eine aktive und involvierende Kommunikation ist der Schlüssel für eine hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitgeber. Das Unternehmen profitiert von einem hohen Engagement der Mitarbeitenden und einer tieferen Fluktuation. Es resultieren relevante Kosteneinsparungen sowie eine vorteilhafte Position im anspruchsvollen Arbeitsmarkt. Die Schweizer Mitarbeitenden-App von Involve ist in Unternehmen der zentrale Ort für die interne Kommunikation. Die App bietet Funktionen wie News-Kanäle, Chats, Umfragen, Formulare, eine Dokumentablage sowie eine Übersetzungsfunktion für fremdsprachige Mitarbeitende. Ausserdem ist für die Teilnahme an der internen Kommunikation weder eine Mail-Adresse noch eine Handy-Nummer notwendig. Die Mitarbeitenden-App besticht insbesondere durch ihre hohe Benutzerfreundlichkeit und das attraktive Design. Die Einführung der Mitarbeitenden-App ist kein zeitaufwändiges IT-Projekt. Im Gegenteil: die App ist schon nach wenigen Wochen produktiv im Einsatz. Involve legt dabei einen Schwerpunkt auf eine wertschätzende und enge Zusammenarbeit. Die Unternehmen werden vom ersten Kontakt bis zur erfolgreichen Implementierung von einer Ansprechperson begleitet und unterstützt. Bereits unzählige Schweizer Firmen sind vom Mehrwert der Schweizer Mitarbeitenden-App überzeugt und nutzen sie, um ihre Mitarbeitenden zu informieren, involvieren und begeistern. Ein Test-Zugang zur Mitarbeitenden-App von Involve kann unverbindlich unter involve.ch/ app-testen angefordert werden. Sie nutzen die App seit anfangs 2023. Was hat sich seit der Einführung verändert? Vor der App haben wir an den Standorten unserer beiden Alterszentren mit Anschlagbrettern und E-Mails kommuniziert. Es war einfach zu viel und zu unübersichtlich. Mit der App haben wir nun eine Lösung, die alles abdeckt und wir können unsere Mitarbeitenden unabhängig vom Standort oder Schichteinsatz innerhalb von Minuten erreichen. Was gefällt Ihnen an der App besonders? Die Involve-App ist eine sehr einfache App. Unsere Mitarbeitenden haben sie sofort verstanden und konnten sehr schnell damit arbeiten. Wem würden Sie die Mitarbeitenden-App weiterempfehlen? Die App steigert das Wir-Gefühl und der Austausch im Unternehmen verbessert sich merklich. Daher kann ich die App allen empfehlen, welche die interne Kommunikation – egal in welchem Bereich – verbessern möchten. Involve AG Bahnhofstrasse 6c 6210 Sursee 041 462 91 00 info@involve.ch www.involve.ch Die App von Involve funktioniert auf Smartphones, Tablets und PC gleichermassen.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTY2MjQyMg==